Klaus Blessing                      Maßholderpfad 1, 65933 Frankfurt am Main
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Hintergrundberichte Dezember 2004

Inhalt:

1. Sportprojekte mit türkischen Kindern und Jugendlichen in Frankfurt
2. Sportprojekte im Grenzgebiet Serbien, Albanien, Kosovo, Mazedonien
3. Olympische Erziehung zu Fairness, Völkerverständigung in Albanien
4. Sportprojekte in Weißrussland
5. Bau einer Mehrzwecksportanlage in Afghanistan



Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

zum Ende des Jahres möchte ich Ihnen/Euch über den Stand unserer Projekte und die Aktivitäten 2004 berichten. Wie in den Vorjahren habe ich  Berichte über Beobachtungen und Eindrücke in den besuchten Länder angefertigt. Sie können selbstverständlich nur meine persönliche Meinung wiedergeben. In diesem Jahr kommen auch integrative Sportprojekte in Frankfurt hinzu.

1. Sportprojekte mit türkischen Kindern und Jugendlichen in Frankfurt

Ein interessantes Projekt konnte dieses Jahr mit zweisprachigen türkisch-stämmigen Kindern und Jugendlichen und deren Pädagogen des KiZ Gallus (Kinder im Zentrum) in Frankfurt durchgeführt werden. Die Jugendlichen halfen mit, die vom Deutschen Fußball Bund zu Verfügung gestellten Videos mit kurzen Texten in die türkische Sprache zu übersetzen und zu vertonen, und lernten dabei interessante Fußballtechniken und Tricks kennen.




Das Übersetzungsteam




Das Vertonen der Texte

Das Projekt setzte sich bewusst mit der deutschen Sprache und der Muttersprache  auseinander. Die Sprachkompetenzen (z.B. Grammatik, Satzstellung) in beiden Sprachen wurden dabei gefördert. Durch die ausgedruckten Texte konnten die Jugendlichen außerdem die Sprachen vergleichen und besser verstehen. Da der Text zusätzlich vertont wurde,  konnten Jugendlichen lernen, in türkisch und deutsch besser vorzulesen.

Am Ende des  Projekts erhielt jeder Projektteilnehmer eine  DVD mit den erarbeiteten Ergebnissen - einschließlich verschiedener Bilder und Erläuterungen. Die Eltern wurden somit über die erfolgreiche Mitarbeit ihres Kindes informiert und können sich die zweisprachige Fußball-Präsentation zuhause ansehen.

Inzwischen wurde ein ähnliches deutsch-türkisches Projekt zur Übersetzung von Materialien über Folklore mit Mädchen gestartet. Ein deutsch-russisches Fußball-Projekt ist in Vorbereitung.
Die Projekte kamen mit Hilfe der Freiwilligenagentur BüroAktiv in Frankfurt und des Modellversuches „Erfahrungswissen für Initiativen“ des  Bundesfamilienministeriums zustande.

2. Sportprojekte im Grenzgebiet Serbien, Albanien, Kosovo, Mazedonien

Im November war ich in der Region Bujanovac in Südserbien. Gemeinsam mit einer "Friedensfachkraft" und Mitarbeitern ihres Teams, habe ich in 6 Dörfern (ca. 15.000 albanische und serbische Einwohner sowie Angehörige der Roma) alle Schulen und Kindergärten besucht. Verschiedene Dörfer haben eine ethnisch gemischte, anderen Dörfer eine ausschließlich albanische oder serbische Bevölkerung.

Besonders beeindruckend war der schlechte Zustand der Häuser und zum Teil auch der Straßen. Es bestehen fast keine bzw. nur defekte Spiel- und Sportanlagen.


Schule mit 500 albanischen und serbischen Schülern


Das Kollegium ist sehr interessiert an den Sportanleitungen und Videos

Fast alle Jugendliche berichteten, dass sie arbeitslos sind und lediglich  Gelegenheitsarbeiten durchführen. Für sie sind deshalb kürzlich in angemieteten Wohnungen kleine Jugendzentren geschaffen worden. Sie sind zu einer täglichen Begegnungsstätte der albanischen und serbischen Jugendlichen geworden. Hier finden auch - organisiert durch die "Friedensfachkräfte" - verschiedene Aktivitäten statt, z.B. Computer-Schulungen, Englisch- und Deutschkurse, Handarbeiten, Kochkurse, Schachspielen.

Die Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen und insbesondere auch die Verantwortlichen in den Schulen und Kindergärten erläuterten, dass mit Spiel- und Sportanlagen viele Begegnungen und Aktivitäten der verschiedenen Volksgruppen durchgeführt werden könnten. Insbesondere würden auch die Schulen profitieren, die Sportunterricht vorsehen möchten. Die Jugendlichen würden gerne regelmäßiges Training mit Kindern durchzuführen. Es konnten vor Ort bereits diverse albanisch-serbische Sportanleitungen und eine entsprechende Videokassette gemeinsam erstellt und übergeben werden.

Auf diese Weise  sollen  Strukturen aufgebaut werden, die einen Spielbetrieb in verschiedenen Spiel- und Sportarten für weibliche und männliche Teilnehmer  ermöglichen. Albanische und serbische Kinder und Jugendliche wie auch Angehörige der Roma begegnen sich somit bei Spiel und Sport, bzw. spielen zusammen in einer Mannschaft. Spiel und Sport wird deshalb als eine wesentliche Möglichkeit der Krisenprävention, Friedenserhaltung und Konfliktbewältigung in der Region angesehen.

Gemeinsam mit den "Friedensfachkräften" soll im Frühjahr begonnen werden, Spiel- und Sportanlagen zu erstellen, wobei  die Lehrer und  Jugendlichen mitarbeiten wollen. Sie wurden bereits in die Erstellung der Planskizzen für die Plätze und robusten Sportgeräte einbezogen. Die Finanzierung wird zur Zeit auf verschiedenen Ebenen besprochen.

3. Olympische Erziehung zu Fairness, Völkerverständigung in Albanien

2.400 Schulen in Albanien wurden mit einer  Broschüre zum Thema, die vom deutschen Olympischen Komitee mitfinanziert wurde, ausgerüstet. Ich konnte die Texte (durch KOLPING) übersetzen lassen und einvernehmlich mit dem zuständigen Ministerium und den beiden NOK´s abstimmen. An den ersten "Schülerolympiaden" habe ich im Mai teilgenommen.


Das olympische Versprechen mit Fackel und Fahne


Sportanlage im Norden von Albanien

Gleichzeitig konnte ich im sehr armen Norden Albaniens, an der Grenze zu Montenegro und Kosovo, eine weitere Sportanlage mit Hilfe der dortigen Gemeinde installieren.

4. Sportprojekte in Weißrussland

Im September habe ich aus privaten Gründen Weißrussland besucht (mein Vater wurde dort 1944 als vermisst gemeldet). Ich war überrascht über die schöne Hauptstadt Minsk mit vielen restaurierten Kirchen, Parks und fröhlichen Menschen in Straßencafes. Das Land ist eher ost-orientiert; z.B. um eine Toilette zu finden, muss man  kyrillische Buchstaben lesen zu können.


Die freundliche Hauptstadt Minsk


Krebskranke Kinder im SOS-Sozialzentrum

Im 1. und 2. Weltkrieg wurde das flache Land jeweils als Aufmarsch- und Rückzugsgebiet genutzt, total verwüstet und hatte große menschliche Opfer und materielle Verluste zu beklagen. Die russischen Kriegsveteranen feierten gerade den 60. Jahrestag der Befreiung des Landes. Es ist zu bewundern, mit wie viel Einfühlungsvermögen die deutsche Botschaft, das Goethe-Institut, eine Geschichtswerkstatt und insbesondere der Volksbund Deutscher Krieggräberfürsorge die Versöhnung zwischen dem weißrussischen und deutschen Volk betreibt.

Ich beabsichtige, im Juli 2005 an einem Versöhnungs-Workcamp zwischen weißrussischen und deutschen Jugendlichen teilzunehmen und es mit dem Bau einer Sportanlage zu unterstützen.

Die Menschen im Land sagten mir immer wieder: "...und dann noch Tschernobyl". Vor 18 Jahren sind 70 % der Verstrahlung aus dem Atomreaktor in der Ukraine in Weißrussland niedergegangen. Ich sah junge äußerlich gesunde Mütter mit krebskranken 3 jährigen Kindern.  Österreich hat sich in der Nähe von Minsk mit einer modernen Kinderkrebsklinik und einem  SOS-Kinderdorf mit Sozialzentrum zur Krebsnachsorge vorbildlich engagiert. Hier sind z.B. Spiel- und Sportgeräte mit sanften Bewegungen (z.B. Rollbrett, Laufrad, Hüpfball) notwendig Ich bin in Kontakt mit dem SOS-Sozialzentrum in Minsk und beabsichtige, bei meinem Besuch in 2005 den Kindern dort mit Psychomotorik-Geräte praktisch zu helfen.

Kontakt hatte ich auch in Weißrussland zu dem dortigen Olympischen Komitee. Man interessiert sich sehr dafür , die deutschen und albanischen Erfahrungen der "Schülerolympiade" zu nutzen und ist zur Zeit dabei, eine entsprechende Broschüre zu gestalten.

5. Bau einer Mehrzwecksportanlage in Afghanistan

Holger Obermann, Entwicklungshelfer und Journalist, mit dem ich vor 2 Jahren in Osttimor sportliche Aufbauarbeit leistete, erhielt vom Präsidenten des Deutschen Sportbundes, Herrn  Manfred von Richthofen, anlässlich dessen 70. Geburtstags einen Scheck mit der Bitte, in Afghanistan eine Sportanlage für Kinder und Jugendliche zu erstellen.

Ich konnte Holger Obermann meine Zeichnungen und Erläuterungen für eine Mehrzweck-Sportanlage einschließlich robuster Tore, Basketball- und Volleyballanlagen geben, nach denen inzwischen der „Manfred von Richthofen-Playground“ in Cherikar - 60 km nördlich von Kabul - fertiggestellt und von Obermann unter großem Interesse der Bevölkerung eröffnet wurde.  Die Jürgen Klinsmann-Stiftung hat bereits  eine Auswahlmannschaft der Provinz zu einem Straßenfußball-Festival anlässlich der WM 2006 nach Berlin eingeladen.


Holger Obermann bei der Eröffnung der Sportanlage in Afghanistan


Holger Obermann und ich in Osttimor

Der Bürgermeister von Cherikars sagte bei der Eröffnung: „Uns ist ein Geschenk gemacht worden, das in erster Linie den Jungen und Mädchen zugute kommen soll, die jahrelang unter der Schreckensherrschaft der Taliban gelitten haben, in einer Zeit, in der jegliche Art von Spielen verboten war und bei Nichtbeachtung mit strengen Strafen geahndet wurde. Unsere Kinder wagten sich kaum mehr auf die Straße. Hier ist nun eine Stätte der Begegnung entstanden, die Jungen und Mädchen offen steht, zum anderen als Zentrum des Straßenfußballs soziale Hilfestellungen anbietet, die der Sport zu bieten hat.“(DSB-Presse vom 19.10.2004)


Ich danke insbesondere meiner Familie sowie allen Helfern und Spendern für alle Unterstützungen.

Meine heutige Bitte an Sie/Dich ist, die genannten und weitere Projekte zu unterstützen. Nur so bin ich in der Lage, den Kindern und Jugendlichen vor Ort zu helfen. Über eine Überweisung zu diesem Zweck würde ich mich sehr freuen:

Kontoinhaber: Klaus Blessing,             Konto-Nr. 1158385,             Sparda-Bank Frankfurt BLZ 500 905 00

Zu jeder Spende werde ich persönlich Stellung nehmen. Auch eine steuerlich anerkannte Spendenquittung kann ich jederzeit - wenn gewünscht - über die verschiedenen Partner ausstellen lassen.

Ich wünsche eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr.

Herzliche Grüße           Klaus Blessing