Hintergrundberichte zum Jahresende 2005


Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

Ich werde im Ausland immer wieder angesprochen: „Kannst Du mir helfen nach Deutschland zu kommen? ...um zu studieren, zu arbeiten,
in ordentlichen Verhältnissen zu leben“.

Meine Antwort darauf ist immer wieder: „Ich bin gekommen, um Euch zu helfen, damit Du in Deiner Heimat bleiben kannst und willst;
bitte helfe auch Du dabei“.

Zum Ende des Jahres möchte ich Ihnen/Euch wieder über den Stand der Projekte und Aktivitäten berichten. Ich will neben Projektergebnissen über Beobachtungen und Eindrücke in den besuchten Länder berichten. Sie können selbstverständlich nur meine persönliche Meinung wiedergeben.

Inhalt:

1. Konfliktbewältigung mit Spiel und Sport im Grenzgebiet Serbien, Albanien, Kosovo, Mazedonien

2. „Arbeit für den Frieden“ bei einer Jugendbegegnung in Weißrussland

3. Hilfen für vom Tsunami geschädigte Kinder und Jugendliche in Sri Lanka

4. Sportprojekte in Frankfurt (mit Hilfe des Arbeitskreises „Erfahrungswissen für Initiativen“)

5. Zitate Kofi Annan und Jacques Rogge, Zusammenfassung


1. Konfliktbewältigung mit Spiel und Sport im Grenzgebiet Serbien, Albanien, Kosovo, Mazedonien

Können Sie sich vorstellen: Albanische und serbische Volksgruppen in Südserbien (je ca. 50 % der Bevölkerung), die noch vor 6 Jahren Krieg gegeneinander geführt haben, die in verschiedenen Gemeinden leben und deren Kinder in unterschiedliche Schulen gehen, spielen und tanzen plötzlich wieder miteinander. Grund dafür ist eine im Jahre 2005 innerhalb weniger Monate geplante und erstellte „internationale“ Sportanlage, die auch für open-air-Veranstaltungen genutzt wird.





Ich konnte mit Hilfe diverser Sponsoren und Spendern aus Deutschland und einer serbischen „Friedensfachkraft“, die ebenfalls viele Spenden sammelte und Mitarbeiter gewann, dabei helfen, dass sich die Menschen in dieser sehr armen Region wieder näher kamen. Es zeigt sich damit, dass sie bereit sind unter der Anleitung von Fachleuten auch tiefe Gräben zu überwinden und insbesondere für die Zukunft ihrer Kinder gemeinsam tätig zu werden. Engagiert haben sich dabei auch die Kirchen: Die Kontrolle und Pflege der Anlage wird auf Anregung des moslemischen Iman und des serbisch-orthodoxen Priesters von einem albanisch-serbischen Rat vorgenommen.

Tägliche Praxis ist es, dass albanische und serbische Kindergärten, Schulen, Jugendclubs und auch Erwachsene auf der Sportanlage gemeinsam spielen, trainieren, Mannschaften bilden und dabei die Regeln des Sports beachten. Inzwischen wurde auch bereits der erste Kinder-Spielplatz mit Schaukeln, Wippen und Rutschen (nach meinen Vorgaben) gebaut und eingeweiht. Weitere solcher Spielplätze und zwei Sportanlagen sollen 2006 folgen.

Spiel und Sport trägt damit zur Konfliktbewältigung  und Friedenserhaltung bei. Das ist gerade jetzt sehr wichtig, da die Verhandlungen über die Zukunft des Kosovo (5 km entfernt) begonnen haben und deren Ergebnis auch für die gesamte Grenzregion von großer Bedeutung sein werden.


2. „Arbeit für den Frieden“ bei einer Jugendbegegnung in Weißrussland

Das Land hält regelmäßig mit großen Siegesfeiern und Heldenberichten die Erinnerung an den 1. und 2. Weltkrieg  wach; von Versöhnung ist dabei offensichtlich nicht die Rede. Das Land pflegt außerdem wenige Kontakte zur EU und isoliert sich zunehmend, wie auch der deutsche Botschafter kritisch anmerkte. Das wirkte sich auch auf die Zusammenarbeit zwischen den nationalen olympischen Komitees aus, die leider nicht zustande kam.

Erfreulich ist aber der Kontakt zum SOS-Kinderdorf. Ich konnte für dessen Sozialzentrum, das sich vorbildlich um krebskranke Kinder aufgrund der Verstrahlung aus dem Atomreaktor Tschernobyl kümmert, verschiedene Psychomotorik-Geräte mitbringen.

Der Volksbund Deutscher Krieggräberfürsorge konnte es 2005 endlich erreichen, den ersten deutschen Soldatenfriedhof in diesem Land bauen zu dürfen (vergleichsweise befinden sich in der Obhut des Volksbundes heute 806 Krieggräberstätten in 43 Staaten mit fast 2 Millionen Kriegstoten aller Nationalitäten). In einem Bezirk Weißrusslands durfte die Suche, Ausgrabung und Umbettung von Gebeinen gefallener deutscher Soldaten erfolgen. Dabei konnten viele Identifizierungen erfolgen und die Angehörigen informiert werden.

In Verbindung mit der Einweihung des Soldatenfriedhofes fand eine Begegnung unter dem Motto „Arbeit für den Frieden“ zwischen je 20 weißrussischen und deutschen Jugendlichen statt. Ich konnte an diesem Zeltlager teilnehmen und auf Anregung des Volksbundes gemeinsam mit den Jugendlichen und dem Technischen Hilfswerk Landesverband Berlin-Brandenburg-Sachsen-Anhalt verschiedene Spiel- und Sportmöglichkeiten schaffen. So haben wir in der Kleinstadt Beresa im Südwesten von Weißrussland in Armenvierteln Tore, Schaukeln, Rutschen etc. gebaut und installiert.








3. Hilfen für vom Tsunami geschädigten Kinder und Jugendliche in Sri Lanka


Ich war im November im Auftrag des NOK in Sri Lanka tätig, um dort Aufbauarbeit zu leisten. Das „Urlaubsparadies“ Sri Lanka mit herrlichen Stränden, reicher Vegetation, freundlichen Menschen, verschiedenen Sehenswürdigkeiten oder komfortablen Hotels mit Ayurveda-Angeboten hat leider – und nicht erst nach dem Tsunami – auch viele Schwächen: der Müll liegt überall herum, Häuser verfallen, aggressives Verkehrsverhalten, große Luftverschmutzung in den Städten, Bettler auf den Straßen.

Der Tsunami hat das noch verstärkt, insbesondere auch dadurch, dass der Küstenbereich weitgehend zerstört wurde. Die Menschen leben zum Teil heute noch in Hütten oder Zelten, die meisten sind jedoch bei Familienangehörigen und Freunden untergekommen.






Ich konnte sehen, dass mit Hilfe von in- und ausländischen Sponsoren und Hilfsorganisationen – und mit viel Selbsthilfe - zur Zeit viele „Tsunami-Häuser“ und auch Siedlungen gebaut werden. Eine Delegation der Johanniter-Hilfsorganisation berichtete mir von dem Besuch von 9 Projekten zum Bau von Häusern, Wasser- und Stromleitungen usw. im ganzen Land, die alle ordentlich verlaufen. Interessant ist auch, dass viele Touristen Sach- und Geldspenden mitbringen, Kontakte geknüpft werden oder bereits bestehen, und vielfältig Hilfe geleistet wird.

Besonders leidtragend sind nach wie vor Kinder und Jugendlichen. Viele  Schulen, Kindergärten sowie Jugend- und Behinderten-Einrichtungen sind zerstört, bzw. völlig überfüllt. Ich besuchte z.B. ein Schule ca. 10 km im Landesinneren, die  z.Zt. 1.500 Schüler hat  und die trotz völlig unzureichender Räumlichkeiten täglich weitere Kinder und Jugendlichen aufnehmen muss, die in einer nahen Tsunami-Siedlung für 200 Familien angesiedelt werden. Es bestehen keinerlei Spiel- und Sportmöglichkeiten. Bei einem zweiten Besuch in der Schule konnte ich inzwischen angefertigte Fußball-, Handball-Tore, ein Volleyballnetz und viele Bälle mitbringen. Außerdem hat ein städtischer Fußballclub erklärt,  eine Patenschaft mit Trikotspenden, Trainingsunterstützung und Spieleinladungen zu übernehmen.

Auch besuchte ich drei Einrichtungen für behinderte Kinder. Das Leid ist unvorstellbar. Eine deutsche Hilfsorganisation beabsichtigt,  wie ich mit dem dort tätigen Therapeuten im Einzelnen abstimmen konnte, verschiedene Psychomotorik-Geräte im Januar dorthin zu bringen. Für Ballspiele haben wir bereits Korbballanlagen und Minitore angefertigt und übergeben.

Unterstützt wurde ich von Holger Obermann, Journalist und Entwicklungshelfer, der meinen Aufenthalt bestens vorbereitete, und der  parallel diverse Trainerlehrgänge im Auftrag der FIFA durchgeführt hat. Gemeinsam konnten wir die von „meinen“ fleißigen Handwerkern erstellten vielfältigen Spiel- und Sportgeräte und – erstmals in Sri Lanka – eine Kleinfeldsportanlage für Kinder und Jugendliche übergeben.Großes Interesse fand auch die Video-Kassette mit Sportanleitungen diverser Sportarten.





 
4. Sportprojekte in Frankfurt (mit Hilfe des Arbeitskreises „Erfahrungswissen für Initiativen)


Nach dem Projekt mit deutsch-türkischen Kindern im KiZ Gallus im letzten Jahr konnte dieses Jahr mit zweisprachigen russisch-stämmigen Jugendlichen und deren Pädagogen des Vereins „deutsch-russische Jugend e.V.“ in Frankfurt ein weiteres Projekt durchgeführt werden. Die Jugendlichen halfen mit, die vom Deutschen Fußball Bund zur Verfügung gestellten Videos und vom SOS-Kinderdorf in Weißrussland übersetzten Texte in russisch und deutsch zu vertonen, und lernten dabei gleichzeitig interessante Fußballtechniken und Tricks kennen. Abschließend erhielten sie eine gebrannte DVD mit den Ergebnissen der gemeinsamen Arbeit.

Im katholischen Kindergarten St. Hedwig in Frankfurt konnten verschiedene Sportgeräte und regelmäßige Turnstunden nach dem Motto „mehr Bewegung in den Kindergarten“ eingeführt werden.

Die Sportanleitungen über Muskeltraining wurde von der „Kinder- und Jugendhilfe, Frankfurt e.V.“, die straffällige Jugendliche betreut, übernommen und für Kurse und diverse Aktivitäten genutzt.





5. Zitate Kofi Annan und Jacques Rogge, Zusammenfassung

Beeindruckt und ermutigt, meine Arbeit fortzusetzen, haben mich folgende Zitate:

Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen, zum UN-Jahr des Sports 2005:„...Ich bin überzeugt, dass die Zeit reif ist, Regierungen, Entwicklungshilfeorganisationen und Gemeinden zu ermutigen, Pläne zu entwickeln, wie Sport systematisch in Konzepte aufgenommen werden kann, um Kindern zu helfen, speziell solchen, die in Gebieten mit Armut, Krankheiten und Konflikten leben“.

Jacques Rogge, Präsident des Internationale Olympischen Komitees:
„Der Sport ist nicht nur für den Körper gut, sondern schult den Verstand, lehrt die Notwendigkeit und Befolgung von Regeln, ist die beste integrative Kraft und wird seiner sozialen Verantwortung nicht nur im Behindertensport gerecht“



Ich danke insbesondere meiner Familie sowie allen Helfern und Spendern für alle Unterstützungen.

Meine heutige Bitte an Sie/Dich ist wieder, die genannten und weitere Projekte zu unterstützen. Nur so bin ich in der Lage, den Kindern und Jugendlichen vor Ort zu helfen. Über eine Überweisung zu dem Verwendungszweck „Spiel-Sport-Projekte“ würde ich mich sehr freuen:

Kontoinhaber: Klaus Blessing           Konto-Nr. 1158385          Sparda-Bank Frankfurt                 BLZ 500 905 00

Zu jeder Spende werde ich persönlich Stellung nehmen. Auch eine steuerlich anerkannte Spendenquittung kann ich jederzeit - wenn gewünscht - über die verschiedenen Partner ausstellen lassen.

Ich wünsche eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr.

Herzliche Grüße           Klaus Blessing