| Klaus
Blessing Gemeinnützige Initiative: "Internationale Spiel- und Sport-Projekte" |
Maßholderpfad1 D 65933 Frankfurt am Main Telefon/Fax: ++49 (069) 393897 email: klaus-blessing@t-online.de internet: www.spiel-sport-projekte.de |
Informationsbrief Juni 2002
Liebe Freunde,
mit Hilfe von Mitarbeitern der Initiative konnte ich in den letzten Wochen verschiedene Internet-Seiten über unsere Aktivitäten fertigstellen. Dort sind z.B. die vielfach installierten robusten Sportgeräte als technische Zeichnung und Bild dargestellt sowie Beispiele für die übersetzten Sportpräsentationen erläutert. Adresse sieheoben.
Auf vielfachen Wunsch will ich zusätzlich mit diesem
Informationsbrief
verschiedene Eindrücke über Land und Leute aus den besuchten
Ländern
mitteilen. Dabei kann es sich selbstverständlich immer nur um
meine eigene
Sicht handeln:
Serbien (3.6. – 14.6.2002)
Die ersten Eindrücke: In dem Flieger Frankfurt – Belgrad verloren sich ca 30 Personen, m.E. keine ausländischen Touristen oder Geschäftsleute. Auch auf den Autobahnen und Straßen von Belgrad und Novi Sad sah ich keine 5 Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen (Ausnahme Gütertransporte aus Bosnien-Herzegowina). Die 72 Tage dauernde Bombadierung von Brücken, Industrieanlagen, Fernseh-/Radiostationen und Ministerien in 1999 ist noch überall zu sehen.
Viele Gespräche ergaben, daß sich die Serben sehr isoliert fühlen. In den Zeiten von Tito (gestorben 1980) konnte man z.B. unbeschränkt reisen, heute gibt es und sah ich lange Warteschlangen vor den Botschaften der westeuropäischen Ländern um ein Visum zu erhalten. Man sagt, "wir haben durch das Embargo und die verschiedenen Kriege in den letzten fast 20 Jahre den Anschluß an die Welt verloren". Eine Delegation der Partnerstadt Norwich/England wird deshalb von der örtlichen Presse herausgestellt. Auch unsere kleinen Sportprojekte bei SOS-Kinderdorf in Novi Sad werden dort lobend erwähnt.
Viele Menschen haben trotzdem offensichtlich Hoffnungen geschöpft, z.B. mit den ersten Einreiseerleichterungen für Ausländer (davon konnte ich bereits Gebrauch machen) und auch mit den wieder in Kraft gesetzten Rechte für die in Serbien lebenden Minderheiten (z.B. Albaner, Ungarn), die wieder ihre Sprache sprechen und Schulen einrichten dürfen.
In Belgrad und Novi Sad gibt es große Fußgängerzonen mit vielen Geschäften (die Bausubstanz der Häuser ist jedoch meist sehr schlecht) und Restaurants. Bis in die späte Nacht treffen sich dort insbesondere junge Leute; man findet auch immer jemand mit dem man sich deutsch oder englisch unterhalten kann. Andererseits gibt es eine hohe Arbeitslosigkeit bzw. der Verdienst ist äußerst gering; oftmals hat man einen Zweit- oder Drittjob.
Am letzten Tag hatte ich im Hotel noch eine interessante
Diskussion
mit zwei deutschsprachigen engagierten Serben: Z.B. ihre Fragen und
Vorwürfe:
"Warum hat der Westen so spät eingegriffen?, warum wurden
Brücken
zerstört?, warum stehen in Den Haag fast nur Serben vor Gericht?"
Wir
wurden uns bald einig mit meiner Aufforderung: "Anstelle sich nur um
große
Politik kümmern, besser bei kleinen Projekten mitarbeiten." Sodann
haben
sie mir bei Übersetzungsarbeiten für Sportgeräte
geholfen und
wollen dies auch noch in Zukunft tun.
Kosovo (5.3. – 12.3.2002)
Bei der Fahrt durch das Land fällt insbesondere die umfangreiche Präsenz der KFOR-Truppen sowie zerstörte Militäranlagen und gesprengte Häusern auf. Alle ca 10 km gibt es einen riesigen Baumarkt, d.h. hier sind Steine, Ziegel, Holz, usw. für den Wiederaufbau gestapelt. Besonders deprimierend war für mich, daß ein bekanntes serbisch-orthodoxes Kloster völlig mit Stacheldraht eingezäunt und von der KFOR bewacht praktisch ein Ghetto darstellt.
In der Schule in der wir Sportanlagen installierten sprachen mich viele Schüler auf deutsch an. Sie sind in den letzten Jahren mit ihren Eltern zurückgekommen. Sie freuen sich über die Tore und Basketballanlagen, die sie aus Deutschland kennen. Es herrscht ein reges Leben in den Straßen, immer mehr kleine Geschäfte werden eröffnet, in Internet-Cafe muß man Schlange stehen, am Abend geht man in die Pizzeria.
Man hat Vertrauen und große Hoffnungen in die Politik
von Präsident
Rugova, die KFOR-Truppen und den deutschen Administrator Michael
Steiner.
Albanien (12.3. – 19.3.2002)
Besonders auffallend in Tirana war bei diesem Besuch, daß man innerhalb des letzten halben Jahres neue Grünanlagen im Zentrum geschaffen hat. Außerdem hat man an einem Fluß illegal errichtete Geschäfte abgerissen (was für die Betreiber eine großeHärte darstellt!) und schafft dort weitere Grünzonen. Das alles ist bei der großen Verkehrsdichte und hohen Luftverschmutzung sicherlich sehr sinnvoll.
Die Straßen im ganzen Land sind meist schlecht. Intensiv baut man an einer Nord-Süd (Kosovo/Montenegro – Griechenland) und Ost-West Autobahn (Mazedonien – Mittelmeerhafen Durres). Die Polizei ist überall präsent; man fühlt sich sicher. Überall sieht man an den Straßen Bauern, die Obst und Gemüse anbieten, aber auch bettelnde Kinder und Frauen. Die arbeitslosen Männer bieten frühmorgens –meist ohne Erfolg- ihre Dienste an. Sodann sitzen sie bei einem Kaffee den halbenTag im Restaurant und unterhalten sich vornehmlich über Sport. Am spätenNachmittag spielen sie oftmals auf "unseren" SportanlagenFußball oder Basketball.
Positiv für Albanien sind die vielen ausländischen Hilfsorganisationen, die besonders viel für die Bildung und Erziehung in Schulen tun. Aber es fehlt an Eigeninitiativen. Viele junge Leute würden gerne im westlichen Ausland zur Schule gehen oder arbeiten, sagte man mir in der Fremdsprachenschule, als ich dort auf Einladung des Deutschlehrers in einer Schulstunde Rede und Antwort geben mußte.
Die Antwort eines Lehrers auf meine Frage nach dem alten Traum
von
"Großalbanien" finde ich zukunftsweisend: "das brauchen wir nicht
mehr;
wir haben ja offene Grenzen". Als Mittelmeeranrainerstaat mit
lateinischer
Schrift denkt man europäisch. Nach 40 Jahren Religionsverbot unter
Enver
Hodcha sind die vielen in den letzten Jahren entstandenen Moscheen
meist leer,
die christlichen Kirchen mit ihrer Sozialarbeit für Kinder, Jugend
und
ältere Menschen dagegen sehr attraktiv und gut gefüllt.
Herzliche Grüße
Klaus Blessing
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