| Klaus
Blessing Gemeinnützige Initiative: Internationale Spiel- und Sport-Projekte |
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Informationsbrief Dezember 2002
Betr.: Entwicklungsprojekte für Kinder und Jugendliche
inOst-Timor
Hintergrundbericht
zu Land und Leute
Liebe Freunde,
Die Resonanz auf den Informationsbrief vom Juni über meine persönlichen Eindrücke zu Menschen und Verhältnissen in Albanien, Kosovo und Serbien war sehr positiv. Deshalb ein weiterer Informationsbrief über Land und Leute in Ost-Timor (Sportbericht mit Bildern siehe internet-Adresse: spiel-sport-projekte.de).
Im Auftrag der Willi-Daume-Stiftung und des NOK für Deutschland haben Holger Obermann, als Trainer und Fernsehreporter bekannt, und ich das Land im November besucht. Obermann, mit dem ich mich ausgezeichnet verstand, hat einen Fußball-Trainerlehrgang und eine FIFA-Inspektion durchgeführt. Ich hatte die Aufgabe, eine multifunktionale Kleinfeld-Sportanlage mit entsprechenden robusten Geräten zu bauen, die Modellcharakter für das Land haben soll.
Ost-Timor ist - so liest man- das ärmste Land in Asien. Bis 1975 gehörte es zu den Überseegebieten von Portugal, anschließend zu Indonesien und im Mai 2002 wurde es nach vielen z.T. gewaltsamen Auseinandersetzungen ein eigener Staat mit knapp 1 Million Einwohner.
Hunger herrscht – nach meinen Eindrücken - dort nicht, dafür sorgen die UN und vielen Hilfsorganisationen, die das Land auch insbesondere beim Aufbau von demokratischen Strukturen unterstützen. Der Aufbau ist direkt zu erleben: So erläuterte z.B. ein Architekt aus Japan mir stolz, daß er die Pläne zum Wiederaufbau der Universität erstellt. Oder ich lernte einen jungen Juristen aus Italien kennen, der an der Formulierung der neuen Verfassung mitgearbeitet hat; des Weiteren eine Polizistin aus Nepal, die am Flughafen tätig ist und einheimischePolizisten einarbeitet. Eine Parlamentarierin aus Ost-Timor erzählte mir, daß man zur Zeit im Wirtschaftsausschuß mit Hilfe der Weltbank Gesetze vorbereitet, um ausländische Investitionen zu ermöglichen.
Holger Obermann berichtete, daß er den Staatpräsidenten Gusmao und Bischof Dr. Belo traf (letzterer erhielt den Friedens-Nobelpreis 1996 aufgrund seines gewaltlosen Widerstandes). Beide bezeichneten dankbar die deutschen Initiativen für den Aufbau von Sport-Strukturen in ihrem Land als außerordentlich wichtig, insbesondere für Kinder undJugendliche, die sehr sportbegeistert sind und denen damit sinnvolle Perspektiven eröffnet werden sollen. Der dortige Fußballverband baut nun je eine Liga für Schüler, Jugend und Senioren auf; die Schulen beabsichtigen Turniere zu veranstalten. Die FIFA fördert auch in Osttimor das Spiel 5 gegen5 auf Tore von 3 x 2 m und die neue Sportanlage wird dabei im Mittelpunkt stehen.
Bei unseren Fahrten ins Landesinnere konnten wir die Sportbegeisterung sehen: auf kleinsten Plätzen wird mit Torstangen aus Bambus und auf Basketballkörbe, die an Bäumen befestigt sind, tüchtig gespielt.
Aber auch etwas anderes fiel uns überall auf: praktisch jede Familie auf dem Lande ist damit beschäftigt, Holz zu sammeln und Bäume zu fällen. Der wichtige Regenwald wird immer lichter. Man benötigt das Holz zum Kochen, stapelt und bündelt es aber auch, um es zu verkaufen. Der Kauf von Camping-Gaskocher, für den in Zeitungen geworben wird, ist sicherlich für die meisten dieser Familien unerschwinglich. Das nächste Problem ist die Trockenheit; man sah ständig Menschen mit Wasserbehältern auf den Straßen und Wegen. Die Bodenerosion ist weit fortgeschritten; hoffentlich wird der im Dezember erwartete Monsunregen nicht ganze Dörfer wegschwemmen.
In der Hauptstadt Dili ist 1999 jedes zweite Haus bis auf dieGrundmauern zerstört bzw. niedergebrannt worden. Fleißig ist man dabei wieder aufzubauen. In den Straßen stehen viele große Container, meist aus Australien. Sie sind praktisch Warenlager für die Geschäfte, die wieder geöffnet haben. Man trinkt ein Cola im neu eröffneten City-Café, geht am Abend an den Strand, um Fisch zu essen. Wir fühlten uns überall sicher, hören aber auch von kleineren Konflikten.
Nahe des Äquators ist das Klima und die hohe Luftfeuchtigkeit von ca 34 ° insbesondere für uns Europäer schwierig zu verkraften: Tag und Nacht läuft die Klimaanlage; bei dem oft stundenlangem Stromausfall schaltet das Hotel oder Restaurant einen Diesel-Generator ein.Verläßt man sein kühles Zimmer muß man sich vorsehen, nicht von Moskitos gestochen zu werden.
Ost-Timor ist ein christliches Land. An der Hafeneinfahrt steht eine große Christusfigur. Die Kirchen sind gut besucht. Die Jesuiten sind stark vertreten und unterhalten Schulen und Internate. In unsere Zeit fiel der Jahrestag eines Massakers im Jahre 1991 auf einem Friedhof bei der Beerdigung eines ermordeten Jungens. Am Vorabend hatten Jugendliche den damaligen Weg der Beerdigungsprozession mit vielen Lichtern gekennzeichnet. Am eigentlichen Tag pilgerten tausende Jugendliche nach dem Gottesdienstbesuch mit Blumen aus allen Richtungen zu dem Friedhof. Eine eindrucksvolle und friedliche Demonstration Jugendlicher.
Die Politik des Landes scheint auf Ausgleich mit allen Nachbarn bedacht zu sein. Der charismatische Staatspräsident, der lange im Gefängnis saß, besuchte u.a. während unserer Anwesenheit gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Fußballverbandes –unserem Gesprächspartner- Westtimor, das zu Indonesien gehört und vornehmlich moslemisch geprägt ist. Das dort stattgefundene Fußball-Freundschaftsspiel vor 50.000Zuschauer stand schnell 3:0 für Osttimor und endete 3:1. Der Vorsitzende berichtete uns, daß durch viele Auswechslungen ein höherer Siegund damit evtl. Emotionen vorgebeugt werden konnte. In Kürze ist einTurnier in Dili u.a. mit Mannschaften aus Westtimor und Australien geplant.
Ost-Timor hat in der Verfassung neben Tetum, der einheimischen Sprache, portugiesisch als Staatsprache eingeführt. Im Alltag wird jedoch hauptsächlich indonesisch gesprochen. Durch die portugiesische Sprache will Ost-Timor näher an Europa heranrücken und davon –so die Hoffnung- kulturell und wirtschaftlich profitieren. Auch die englische Sprache findet immer mehr Anhänger.
Für die Eröffnung der Sportanlage hatte man mir einenÜbersetzer zur Seite gestellt. Für mich sehr eindruckvoll war es jedoch, daß die Jugendlichen auch mein einfaches Englisch verstanden,als ich begann zu erläutern:
I´m coming from Germany...(Applaus)....Germany is more
than
10.000 km far away from here....it took me over 24 hours to get
here....
and I enjoy very much to be in East-Timor.....I received money from the
Olympic
Committee of Germany .....to build this sport fields together
withyou....
Herzliche Grüße, ein gesegnetes Weihnachtsfest und
gesundes
und erfolgreiches Neues Jahr
Klaus Blessing
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