Bericht über den Bau einer Sportanlage mit Modellcharakter in Osttimor im November 2002. Die Anlage wurde finanziert aus Mitteln der Willi-Daume-Stiftung in Verbindung mit dem NOK für Deutschland.
Robustes Kleinfeldtor (3 x 2 m) auch geeignet für
Torwandschießen. In das Tor kann z.B. für Turniere ein Tornetz
eingehängt werden.
Robuste Street-Basketballanlage. Der Korb mit Kettennetz
ist direkt am Pfosten (nicht nur am Brett) befestigt.
Einleitung
Vom 1. bis 22.11.2002 hielt ich mich im Auftrag der Willi-Daume-Stiftung und des NOK für Deutschland in Osttimor auf. Ausschlaggebend für dieser Aufenthalt war der Bericht von Holger Obermann über seinen 3. Besuch in Osttimor vom Dezember 2001, in dem er vorschlägt, einen Experten für den Bau von Sportstätten nach dort zu entsenden. Das NOK für Deutschland hat diese Anregung aufgegriffen.
Aufgabenstellung war es, in Osttimor eine multifunktionale Sportanlage zu erstellen, die vornehmlich von Kindern und Jugendlichen aus Schulen und Vereinen genutzt werden kann und Modellcharakter für Osttimor haben soll.
Als Ansprechpartner in Osttimor fungierte der dortige Fußball-Verband.
Besonders positiv wirkte sich aus, dass Holger Obermann zwei Drittel der Zeit ebenfalls zu einer Trainer-Fortbildung sowie FIFA-Inspektion in Osttimor weilte. Es ergaben sich dadurch viele gemeinsame Aktivitäten,Veranstaltungen, Gespräche und gegenseitige Unterstützung.
Holger Obermann stellt bei der Trainerausbildung Klaus
Blessing vor.
Überall in Osttimor sichtbar: zerstörteHäuser,
Jugendzentren, Sportanlagen.
Organisation
Bereits in Deutschland wurde der Einsatz vorbereitet. Insbesondere wurde ein robuster Basketballkorb mit Kettennetz, ein gutes Volleyballnetz sowie zwei Kleinfeld-Tornetze als Material nach Osttimor verschickt.
Unmittelbar nach Ankunft konnte auf Vorschlag des Sekretärs des Osttimor-Fußballverbandes, des Schuldirektors Herrn Marwata, Holger Obermann und mir Übereinstimmung erzielt werden, auf dem Gelände der Schule Colegio de Sao Jose ein Kleinspielfeld für Fußball und Handball in der Größe von 30 x 15 m (insbesondere geeignet für FUTSAL, das Spiel 5 gegen 5 auf begrenztem Spielfeld und Toren von 3 x 2 m gemäß den Richtlinien der FIFA) kombiniert mit weiteren Spielmöglichkeiten für Volleyball, Fußball-Tennis und Torwandschießen zu installieren.
Zu einem späteren Zeitpunkt wurde noch der Bau einer Street-Basketball-Anlage (10 x 10 m) sowie eines Badminton-Platzes (16 x 9 m) beschlossen.
Die o.g. Entscheidungen erwiesen sich im Laufe der Baumaßnahmen und insbesondere bei der Eröffnung der Sportanlage als sehr sinnvoll, da sich herausstellte, dass die wenigen bisher vorhandenen und z.T. unzureichenden Sportmöglichkeiten der Schule von ca 1.000 Kindern und Jugendlichen mehrerer Schulen praktisch im Schichtbetrieb genutzt werden müssen bzw. nicht genutzt werden können.
Das von der Schule zur Verfügung gestellte Gelände hatte den wesentlichenVorteil, daß es durch große Bäume im Schatten liegt, sodass den ganzen Tag Sport getrieben werden kann. Nachteilig dagegen war, dass das abschüssige Gelände teilweise aufgeschüttet werden mußte. Damit konnten jedoch die Bäume und ihre umfangreichen Wurzeln erhalten werden.
Durchführung
Der Sekretär des Osttimor-Fußballverbandes vermittelte eine Werkstatt, in der sofort mit dem Bau von zwei robusten Kleinfeldtoren (3 x 2 m) begonnen werden konnte. Für das Torwandschießen wurden in die Tore die bekannten Löcher (ZDF-Torwandsystem) eingearbeitet. DieTore sind oben 0,80 m und unten 1,20 m tief, in die die mitgebrachten Kleinfeld-Tornetze (0,80 x 1,00 m), zum Beispiel bei Turnieren, eingehängt werden können.
Im Schatten der großen Bäume: Montage des
Kleinfeldtores auf dem neuen Feld, Anstreichen des Basketballbrettes
durch den Sportlehrer
Parallel dazu hatte die Schule einen Bauleiter zur Verfügung gestellt, der sofort mit seiner Arbeitskolonne tätig werden konnte. Außerdem arbeiteten Lehrer und Schüler bereitwillig mit.
Meine Aufgabe war es, täglich mehrmals zwischen den Werkstätten und dem Schulgelände zu pendeln und alle erforderlichen Arbeiten zu überwachen bzw. Anleitungen zu geben. Dies wurde dadurch erschwert, daß der Strom in Osttimor oft stundenlang ausfällt. Aus diesemGrund wurde die Anfertigung des Basketballpfostens einschließlich Zielbrett sowie der Volleyball-/Fußballtennis-Pfosten an eine andere Werkstatt vergeben.
Der Street-Basketballplatz wurde betoniert; der Untergrund des Kleinspielfeldes und Badmintonplatzes entsprechen einem deutschen Hartplatz bzw. Bolzplatz.
Am 20.11.2002 fand eine eindrucksvolle Eröffnungsfeier statt, die vom Osttimor-Fußballverband gemeinsam mit der Schule gestaltet wurde. Die Plätze wurden von allen Beteiligten, insbesondere den Kindern und Jugendlichen begeistert angenommen. Auch das in Osttimor bisher unbekannte Torwandschießen war eine Attraktion. Die Mädchen hatten bereits mit der Sportlehrerin das Futsal-Spiel eingeübt und mit Begeisterung gespielt.
Bilder von der eindruckvollen Eröffnungsveranstaltung
der neuen Sportanlage
In einer Presse-Information an die Medien in Osttimor wurde auf die Eröffnungsfeier hingewiesen. Die Timor Post hat dazu in zwei Ausgaben ausführlich mit Bild berichtet.
Schlußbemerkung
Insbesondere die robusten Kleinfeldtore für das Futsal-Spiel und das Torwandschießen sowie die Street-Basketball-Anlage haben für Osttimor Modellcharakter.
Der Osttimor-Fußballverband hat eine Kommission FUTSAL gebildet und beabsichtigt, zunächst die Regeln in die Landessprache zu übersetzen. In Abstimmung mit der Schule soll bereits in Kürze mit Training und Turnieren auf dem Platz begonnen werden.
Presseinformation über das Futsal-Spiel, das von der TIMOR POST ausführlich behandelt wurde.
Für den Osttimor-Fußballverband wurde eine Mappe mit den Futsal-Regeln, eine Video-Kassette und entsprechende Ausdrucke über Fußball erstellt. Die Schule erhielt eine Mappe mit den Regeln für Futsal sowie Informationsmaterialien über Fußball, Handball, Volleyball, Street-Basketball, Aerobic (in Englisch) und Kleine Spiele (in Portugiesisch). Die einzelnen Dateien konnten auf den Computer der Schule zum Nachdruck überspielt werden (in Osttimor sind fast keine Unterlagen über die verschiedenen Sportarten vorhanden).
Frankfurt am Main, Ende November 2002
Klaus Blessing